“Microsoft entwickelt keine Software mehr”

  • von

Mit Steve Balmers Rücktritt, den Microsoft heute, am 23.8.2013 verkündet hat, schlagen die Wellen erwartungsgemäß Tsunami-hoch. Gleichzeitig wird was das Zeug hält versucht, zwischen den Zeilen zu lesen, auch was da gar nicht steht, und so findet man nicht lange nach der Ankündigung auf Seiten wie http://tinyurl.com/mj8st8m zu lesen, dass „Microsoft auch keine Software mehr entwickelt“. Natürlich ist das Quatsch. Microsofts „Transit zu einem Geräte- und Dienstleistungskonzern“, ein Terminus, der tatsächlich das Schlagwort „Software“ nicht mehr enthält, ist einerseits nicht neu, und andererseits eine logische Konsequenz auf den Fortschritt einer IT-Welt, in der das Kaufen und Installieren von Software, so, wie die √Ñlteren unter uns es gewohnt sind, einfach mehr und mehr in den Hintergrund rückt, und vermutlich in Naher Zukunft verschwindet. Gerade, was die Softwaresparte anbelangt, die Microsoft in der Tat groß gemacht hat: Die Betriebssysteme, namentlich MS-DOS und Windows. Aber mal ehrlich: Wer von uns legt denn Wert darauf, noch Betriebssysteme zu kaufen und auf einem neuen Rechner zu installieren? Ist nicht das oft genug der größte Kritikpunkt in der Microsoft-Welt gewesen? Wir möchten ein GER√ÑT kaufen und es verwenden. Natürlich läuft darauf Software und natürlich wird das in Zukunft in den meisten Fällen auch eine Microsoft-Software oder eine durch Microsoft-Werkzeuge entwickelte Software sein (die übrigens selbst nichts anderes sind als Softwareprodukte).

Microsoft macht also keine Software mehr. Genau. Man stelle sich vor: Mercedes mache keine Software mehr. Die Schlagzeile wäre ebenso blödsinnig wie sensationell. Würde Mercedes keine Software mehr entwickeln, dann hätte die neue S-Klasse, und nicht nur die, nicht nur ein Problem, sondern tausende. Ganz zu schweigen davon, dass sie sich nicht mehr einen Meter weit fortbewegen würde. Software ist also selbst hier essentiell und obligatorisch.

Microsoft macht weiterhin das, worin Microsoft am besten ist: Nämlich wunderbare, exzellente Software zu entwickeln, sowohl für den Endanwender, für Firmen, als auch selbst für Softwareentwickler. Und damit die Software perfekt werden kann, gibt es Reglementierungen für die Entwickler, sowohl im Backend-Bereich als auch im Frontend-Bereich. Eine der Reglementierungen ist die Hardware, auf der Software in Zukunft läuft: Wie bei Apple ganz extrem und bei Google ein wenig liberaler, liefert Microsoft mindestens die groben Bauanleitungen, die Mindestanforderungen und die Höchstabweichungen in Sachen Spezifikation der Hardware mit. In vielen Fällen liefert Microsoft sogar das ganze Gerät mit, in Form von Surface-Produkten. Damit es in Zukunft eben keine Probleme mehr mit fehlenden Grafiktreibern, nicht funktionierenden Netzwerkkarten oder Computern gibt, die keinen Ton von sich geben. Probleme, übrigens, an denen in der Regel die Hersteller und selten Microsoft selbst Schuld waren. Nur deswegen wird Microsoft, anders als früher, auch zur Devices-, zur Geräte-Company umgebaut. Und mit Cloud-Computing und Azure im Backend-Bereich, aber ebenso mit Server-Software wie etwa Windows Server, Exchange-Server oder dem Datenbank-System SQL Server, hilft Microsoft mit der Betonung auf Services, entsprechende Dienste zu schaffen, sowohl On-Premisis (also für Firmen, AUF deren Gelände) als auch Off-Premisis (mit Micreosoft Azure in der Cloud), die diese Geräte nahtlos mit Daten versorgen und ihnen eine entsprechende Infrastruktur geben.

Wiederum gilt: Software ist dabei essentiell und obligatorisch. Im Betriebssystembereich (Tablet, Windows Phone, Ultrabook, Notebook, Desktop, Windows Server), im Anwenderbereich (Office et. al), im Service-Bereich (Exchange-Server, SQL-Server, Azure) und bei den Werkzeugen (Visual Studio, .NET Framework, Sprachen wie Csharp, Visual Basic, F# und C++, Internet-Frontendtechnologien wie JavaScript und HTML5). Software ist also so selbstverständlich, dass sie als solches nun wirklich nicht mehr explizit erwähnt werden muss. Und das ist schon die ganze Story.

In diesem Sinne – nichts passiert, das Leben der Softwareentwicklung und der Softwareentwickler geht normal weiter, und Microsoft wird auch in Zukunft einen extrem großen Part dabei spielen.

Klaus Löffelmann – Seit 5 Jahren Visual Basic MVP, und begeisterte Entwickler auf Microsoft-Technologien. Tendenz steigend.