In Gedenken an
Mia Susanne Pusch

Wir trauern um Mia Pusch
Mia Susanne Pusch, Tochter unseres Freundes und Kollegen Marcus Pusch, befand sich auf einer 4 Monate dauernden Radtour durch Neuseeland, als sie am Dienstag, den 5. Januar, gegen 11.50 Ortszeit beim Zusammenstoß mit einem 40-Tonnen-Truck tödlich verunglückte.

Die Ursache des Unfalls, der sich auf der Nordinsel Neuseelands 4km nördlich von Bull in Fahrtrichtung Wellington ereignete, ist derzeitig noch Gegenstand von Ermittlungen.

Mia befuhr die Staatsstraße 3 zwischen den Ortschaften Bulls und Turakina auf einem Abschnitt, in dem das Überholen erlaubt ist, als sie zwischen den Kreuzungen Neumans Line und Santoft Road von dem in gleicher Richtung fahrenden 40-Tonnen-Truck mit Auflieger erfasst wurde. Für Mia kam am Ort des Geschehens jede Hilfe zu spät.

Der Geschäftsführer der Spedition berichtet, dass der Fahrer, der den Unfall verursachte, traumatisiert sei und die nächsten Wochen nicht arbeiten werde. Er erläutert ferner, dass es sich beim Fahrer des Unfall-LKWs um einen sehr erfahrenen gehandelt habe und seine Spedition nie in einen derartigen Unfall verwickelt gewesen sei: „Es ist einfach unfassbar. Es gibt keinen Grund, dass das geschehen ist – es ist ein Rätsel. Der Fahrer nimmt es sich sehr zu Herzen, soviel ist sicher“.

Ihr Vater Marcus ist verzweifelt. "Du kannst dir nicht vorstellen, wie außergewöhnlich sie war. Sie war meine Tochter, und sie war noch viel mehr. Sie war intelligent, lebensfroh, aufgeschlossen, clever und machte sich für ihre jungen 19 Jahre außergewöhnlich viel Gedanken um Meschen und das Leben. Ich musste aufpassen, mir nicht zu oft Ratschläge von ihr geben zu lassen. Sie wollte in unserer Firma nach Ostern ein Praktikum und später vielleicht eine Ausbildung zur Softwareentwicklerin machen. Diese Chance hat sie jetzt nicht mehr. Ich habe das Liebste verloren, was ich hatte."

Der Wunsch nach dem Abitur längere Zeit eine Radtour durchs Ausland zu machen, war keine kurzfristige Entscheidung. Schon während der Abiturzeit diskutierte Mia mit Vater Marcus und seiner geschiedenen Frau Gesa verschiedene Optionen  - Afrika, das Wunschland ihrer Tochter, schied für beide Elternteile als viel zu gefährlich kategorisch aus. Man einigte sich schließlich auf Neuseeland, und alle Drei fühlten sich mit der Entscheidung wohl, weil man sich scheinbar für das Land entschieden hatte, von dem die geringste Gefahr ausging.

Mias erdrückende letzte Worte

Schicksalhafter Weise bloggte Mia am 30. Dezember in ihrem letzten Blogeintrag über die Eigenschaften der neuseeländischen Fahrzeuglenker und teilt diese in zwei Gruppen ein: Die „positiven Huper“ und die „negativen Huper“. Letztere bezeichnet sie in ihrem Blog als „Bestien“, und charakterisiert sie mit einer Vorahnung, die einen das Blut in den Adern gefrieren lässt, folgender Maßen:

„[…] Vielmehr befindet sich diese Spezies permanent auf einem von unglaublicher Wichtigkeit getriebenen Rennen gegen die Zeit. Auch die Einsicht, dass lautes Hupen den die schnelle Weiterfahrt behindernden Cyclisten nicht zum Verschwinden bringen wird, erscheint diesen Bestien in Menschengestalt fremd. Sie schleichen sich mit zu hoher Geschwindigkeit an den mit den Naturgewalten kämpfenden Biker heran, um ihm just bei Beginn des – meist halsbrecherischen und innerhalb des 0,5-1 Meter Sicherheitsradius ablaufenden – Überholvorgangs mit einem lauten, wütenden Hupen zu beglücken. Dass dies die Situation in keinem Fall besser macht, sondern höchstens schlimmer (wenn der Tretmühlenfahrer nämlich vor Schreck einen Schlenker im Sicherheitsradius macht (in dem sich in dem Moment aber leider auch der negative Huper befindet)), scheint nicht mal im Traum ein Teil der Realität für diese Menschen zu sein.“

Ihre Mutter Gesa antwortet in Reaktion auf diesen Blogeintrag aus Deutschland: „[…]Mein armer Schatz, hoffentlich wirft dich so ein Negativhuper nicht noch mal vom Rad! Ich wünsche dir einen sehr sonnigen Jahreswechsel, und immer schön aufpassen, und nicht in der Sonne einschlafen, gelle! Hab dich ganz doll lieb, Mama“

In ihrem Blog berichtet Mia weiterhin von ihren Erlebnissen in Neuseeland, und berichtet etwa über die „Hot Pools in Rotorua“, über das Radfahren in Taupo und ihre Zeit in Nelson und Blenheim Anfang Dezember. Sie berichtet, wie der Wind sie beim Radeln auf der Südinsel vom Rad fegte und sie dabei in einen Bach fiel, und sie hoffte, dass das ihr einziger Unfall bleiben würde.

Über Weihnachten befand Mia sich in Christchurch. In ihrem letzten Facebook-Eintrag vom 2. Januar, nur drei Tage vor Ihrem Tod, berichtete Sie, dass sie ihr Bike beim Besuch in Christchurch nun „Pinkie“ genannt hätte. Ihr Mutter antwortete darauf: „Hey Pinkie, halte durch – du musst Mia nur noch drei Wochen umhertragen“.

Greg Hamilton, von Bike NZ, weiß zu berichten, dass Mias Blog auf tragische Weise die Erfahrungen der heimischen, neuseeländischen Biker wiedergibt: „Die Anzahl an Berichten über Beinahunfälle auf Neuseeländischen Straßen, die wir täglich erhalten […] zeigt deutlich, wie gefährlich es ist, hier zu fahren“. Hamilton fordert die Neuseeländische Regierung auf, sich neben dem Ausbau von nationalen Radwegen, auch mehr für die Ausbildung von Kraftfahrern einzusetzen. „Neuseeländer sind nicht so gut beim Teilen der Straße“. Bike NZs Unterschriftenaktion „1.5 to survive“ (1,5 Meter zum Überleben) sammelte in nur 3 Monaten 15.000 Unterschriften.

Die neuseeländische Umweltministerin Pansy Wong hat der Familie Pusch am Samstag ihr tiefstes Mitgefühl ausgesprochen. Wong sagte, sie hoffe, „dass potentielle Radtouristen an den Bemühungen zur Aufklärung von Mias Tod erkennen würden, wie wichtig die Neuseeländische Regierung das Thema Sicherheit im Straßenverkehr nehmen würde“.

Die Polizei sucht unterdessen weiterhin nach Verkehrsteilnehmern, die sich am Dienstagmittag zwischen Lake Alice und Bull befanden und entweder Mia Pusch oder den gelben Truck gesehen haben.

Vater Marcus wünschte sich die Veröffentlichung der Fakten an dieser Stelle, um festzuhalten, was wirklich passiert ist und keinen Spielraum für Interpretationen zu lassen.